Der Film

NOSFERATU
Stummfilm, Deutschland 1921
Komplette, digital restaurierte Version 2006
Mit neuem Klavier-Soundtrack von Markus Horn
Laufzeit: ca. 94 Minuten

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau in fünf Akten. Der Stummfilm ist eine – nicht autorisierte – Adaption von Bram Stokers Roman Dracula und erzählt die Geschichte des Grafen Orlok (Nosferatu), eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen Ellen entbrennt und Schrecken über ihre Heimatstadt Wisborg bringt. Nosferatu gilt als einer der ersten Vertreter des Horrorfilms und übte mit seiner visuellen Gestaltung einen großen Einfluss auf das Genre aus. Zugleich gilt das Werk mit seiner dämonischen Hauptfigur und seiner traumartigen, gequälte Seelenzustände spiegelnden Inszenierung als eines der wichtigsten Werke des Kinos der Weimarer Republik. Der Film sollte nach einem verlorenen Urheberrechtsstreit 1925 vernichtet werden, überlebte aber in unzähligen Schnittversionen. Durch die 2006 durchgeführte digitale Restaurierung ist Nosferatu in brillanter Qualität auf DVD und Blue-Ray verfügbar.

Heutzutage werten Filmkritiker Nosferatu als Quantensprung in Murnaus filmischer Arbeit. Die Innovation liege in der revolutionären Gestaltung des Vampirs, merkt Lars Penning an, dieser sei „die zweifellos grauenerregendste Figur, die das Kino bis dato kannte“. Für Gunter E. Grimm ist der Film „ohne Zweifel der wirkungsmächtigste der alten Vampirfilme, der bis heute auch auf moderne Filmemacher kaum etwas von seiner Faszination verloren hat“.

Thomas Elsaesser betont den Reiz des Films aus dem Widerstreit zwischen technischer Perfektion und seiner hauptsächlich psychologisch wirkenden Thematik: „Murnaus Poesie war das Ergebnis einer distanzierten, fast schon klinischen Anwendung der technischen Meisterschaft deutscher Photo- und Kameraarbeit auf emotional aufgeladene, mit tiefsitzenden Ängsten und Gefühlen verknüpfte Themen.“ Die traumartige, das Unterbewusstsein ansprechende Inszenierung gebe dem Filme eine „nur schattenhaft entschlüsselbare, verborgene Logik“, diese bewahre dem Film „bis heute starken Appellcharakter“, urteilt Thomas Koebner. Auch Klaus Kreimeier hebt auf diese Filmwirkung ab und bescheinigt Nosferatu eine „Authentizität des Traums – und den fiktiven (das heißt: auf Konventionen beruhenden) Charakter dessen, was wir Wirklichkeit nennen“.

Die Handlung

Thomas Hutter ist Sekretär eines Maklers in Wisborg und lebt dort glücklich mit seiner Frau. Eines Tages schickt ihn sein Chef auf eine Dienstreise nach Transsylvanien, um mit dem Grafen Orlok über den Kauf eines Hauses zu verhandeln. Ellen, seine Frau, ahnt nichts Gutes, sie spürt die Gefahr, in die ihr Mann sich begibt, kann ihn aber nicht zurückhalten. In einem Gasthaus in den Karpaten warnt ihn der Wirt ebenfalls vor dem Grafen, und die Wirtin gibt ihm ein Buch über Nosferatu, den blutsaugenden Vampir…

Der Graf empfängt Hutter in seiner Burg zu einem nächtlichen Abendessen, und er unterzeichnet den Kaufvertrag. Als Hutter aber am nächsten Morgen im Schloß erwacht, entdeckt er kleine rote Male an seinem Hals und ahnt, welchem Grauen er gegenübersteht: Orlok ist ein Vampir. In der zweiten Nacht überfällt Orlok ihn in seinem Schlafzimmer - und am nächsten Morgen belädt der Graf einen Pferdewagen mit Särgen und eilt davon. Da verläßt auch Hutter fluchtartig das Schloß, denn er hat Angst, dass das Gespenst auf dem Weg zu seiner Frau ist.

Eines Tages legt ein führerloses Geisterschiff in Wisborg an, dessen Fracht Pest, Tod und Verderben über die Bewohner bringt. Graf Orlok ist angekommen, und mit ihm wütet die Pest in der Stadt. Ellen erkennt die Herausforderung, und um das unheilvolle Schicksal aufzuhalten, opfert sie sich und gibt sich dem Vampir hin. In den ersten Sonnenstrahlen des neuen Morgens löst sich die mysteriöse Gestalt in Nichts auf.

Abweichungen von Bram Stokers Roman

Die Produzenten des Films gaben bei Henrik Galeen ein Drehbuch in Auftrag, das sich an Bram Stokers Roman Dracula aus dem Jahr 1897 anlehnen sollte, obwohl die Filmrechte an Stokers Buch nicht von der erworben wurden. Galeen galt als ausgewiesener Fachmann für schauerromantische Stoffe; er hatte bereits an "Der Student von Prag" (1913) mitgewirkt und das Drehbuch zu "Der Golem, wie er in die Welt kam" (1920) geschrieben.

Der Drehbuchautor verlegte die Romanhandlung von London (bzw. Whitby) in eine fiktive norddeutsche Hafenstadt namens Wisborg und veränderte die Namen der Figuren. Dazu brachte er den Aspekt in die Geschichte ein, dass der Vampir die von den Ratten übertragene Pest nach Wisborg bringt. Auf die Figur des Vampirjägers Van Helsing verzichtete er.

Galeens Drehbuch war gedichtähnlich rhythmisiert, ohne jedoch so zergliedert und abgehackt zu sein wie beispielsweise die Bücher des stark vom Expressionismus beeinflussten Autors Carl Mayer. Lotte H. Eisner nennt Galeens Drehbuch „voll Poesie, voll Rhythmus“.[

Produktion

Die Dreharbeiten zu Nosferatu begannen im Juli 1921 mit Außenaufnahmen in Wismar. Eine Aufnahme vom Turm der Marienkirche über den Wismarer Marktplatz mit der Wasserkunst diente als Eröffnungsszene für den Schauplatz Wisborg. Weitere Drehorte waren das Wassertor, die Westseite der Georgenkirche, der Hof der Heiligen-Geist-Kirche und der Hafen. In Lübeck wurden die aufgelassenen Gebäude der Salzspeicher als Drehort für Nosferatus neues Domizil in Wisborg genutzt, auf der Depenau wurden die Särge herabgetragen, der Aegidienkirchhof, die Israelsdorfer Eiche sowie noch andere Orte der Stadt dienten ebenfalls als Kulisse. Weitere Außenaufnahmen folgten in Lauenburg, in Rostock und auf Sylt.

Im Anschluss reiste das Filmteam in die Karpaten, wo die Arwaburg als Kulisse für Orloks halbverfallenes Schloss diente. Weitere Drehorte fanden sich in unmittelbarer Nähe; so entstanden die Aufnahmen von Hutters Rast in Dolný Kubín, die Floßfahrt mit den Särgen wurde auf der Waag gedreht. Für die Gebirgsaufnahmen nutzte das Filmteam das Panorama der Hohen Tatra. Von Oktober bis Dezember 1921 entstanden dann die Innenaufnahmen im JOFA-Atelier in Berlin-Johannisthal, einige weitere Außenaufnahmen wurden im Tegeler Forst gedreht.

Dem lichtsetzenden Kameramann Fritz Arno Wagner stand für die Dreharbeiten aus Kostengründen nur eine einzige Kamera zur Verfügung, daher existierte nur ein einziges originales Filmnegativ. Der Regisseur folgte Galeens Drehbuch sehr exakt und fügte lediglich handschriftliche Anweisungen und Notizen bezüglich Kamerapositionierung, Lichtsetzung und ähnlichem hinzu. Zwölf Seiten des Skripts wurden allerdings von Murnau neu geschrieben, die entsprechenden Texte Galeens fehlen im Arbeitsexemplar des Regisseurs. Hierbei handelt es sich um die letzten Szenen des Films, in denen Ellen sich opfert und der Vampir durch den ersten Sonnenstrahl stirbt.[7] Murnau arbeitete mit akribischer Vorbereitung; es gab zu jeder Szene künstlerische Vorzeichnungen, die genau dem späteren Filmbild entsprechen sollten. Um das Spiel der Darsteller zu rhythmisieren, setzte er ein Metronom ein.

Besetzung

Max Schreck als Graf Orlok
Gustav von Wangenheim als Thomas Hutter
Greta Schröder als Ellen Hutter
Alexander Granach als Knock
Ruth Landshoff als Annie
Wolfgang Heinz als Erster Maat der Empusa
Georg H. Schnell als Harding
John Gottowt als Professor Bulwer

Gustav Botz als Professor Sievers
Max Nemetz als Kapitän der Empusa
Heinrich Witte als Wächter
Guido Herzfeld als Gastwirt
Karl Etlinger als Student
Hardy von Francois als Doktor im Krankenhaus
Fanny Schreck als Krankenschwester

Max Schreck

Max Schreck wurde am 6. September 1879 in Berlin geboren. Er absolvierte seine schauspielerische Ausbildung am Berliner Staatstheater. Nach seiner Ausbildung war er zwei Jahre auf Tournee, unter anderem in Zittau, Erfurt, Bremen, Luzern, Gera und Frankfurt am Main. 1910 heiratete er die Schauspielerin Franziska Ott, die sich fortan Fanny Schreck nannte.

Von 1919 bis 1922 trat Schreck bei den Kammerspielen München auf. 1922 wurde er von der Prana Film für die einzige Produktion dieser Gesellschaft, Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens, verpflichtet. Er spielte den Vampirgrafen Orlok, der auf der Suche nach einem Haus ist. Dieser Film von Friedrich Wilhelm Murnau brachte ihm weltweit ein bleibendes Ansehen und gilt auch heute noch als meisterliche Darstellung.

1923 spielte Schreck in Karl Grunes Sozial-Drama Die Straße, 1925 bekam er hervorragende Kritiken für die Rolle des Apothekers in Carl Boeses Krieg im Frieden und 1927 war er erneut unter Grune in dessen pazifistischem Film Am Rande der Welt zu sehen.

Danach kehrte er an die Kammerspiele München zurück.

Er arbeitete sowohl am Theater als auch bei weiteren Stummfilmen gemeinsam mit Max Ophüls, Bertolt Brecht und Karl Valentin. Insgesamt war er in über vierzig Filmen in verschiedenen Rollen zu sehen (unter anderem in „Ritter der Nacht“ aus dem Jahr 1928). Dem Abbé Faria in der deutschen Fassung von Rowland V. Lees Graf von Monte Christo (1934) lieh er zudem seine Stimme. Vom ersten bis zum 28. Februar 1933 stand er auf der Bühne von Erika Manns Kabarett „Die Pfeffermühle“ in der Münchner „Bonbonniere“. Er trug im zweiten Programm dieses antifaschistischen Kabaretts Erika Manns Text „Der Koch“ vor, einen Text auf den allmächtigen, diktatorischen Brunnenvergifter, gegen den sich niemand mehr zur Wehr setzt: „Serviert von oben frißt mans doch. Ich bin der Koch.“

Schreck starb überraschend im Alter von 56 Jahren, nachdem er zuvor noch als Großinquisitor in Don Karlos auf der Bühne gestanden hatte. Am 14. März 1936 wurde er auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Güterfelde bei Berlin beigesetzt (Gräberfeld U-UR 670). 2011 wurde ein neuer Grabstein aufgestellt.

Schreck war mit der Schauspielerin Fanny Schreck verhaieratet, sie hatten keine Kinder. Die deutsche Schauspielerin Gisela Uhlen (1919–2007) war seine Nichte.



Gustav von Wangenheim

Gustav von Wangenheim (*1895) war der Sohn des Schauspielers Eduard von Winterstein (eigentlich Eduard Clemens Freiherr von Wangenheim) und der jüdischen Schauspielerin Minna Mengers. Nachdem seine Mutter sich das Leben genommen hatte, als Gustav von Wangenheim nur vier Jahre alt war, heiratete sein Vater die ebenfalls jüdische Schauspielerin Hedwig Pauly. Ab 1912 besuchte Gustav die Schauspielschule Max Reinhardts. Es folgten Bühnenengagements in Wien, Darmstadt und Berlin. Bereits 1916 gab er sein Spielfilmdebüt. Seine bekannteste Rolle ist die des Hutter in "Nosferatu".

1933 emigrierte der überzeugte Gegner des Nationalsozialismus von Wangenheim, der bereits 1922 KPD-Mitglied geworden war, über Paris in die Sowjetunion. Im Exil schrieb und drehte er unter anderem den Film Kämpfer, in dem es um den Reichstagsbrandprozess und Georgi Dimitroff ging.

Nach seiner Rückkehr nach Ostdeutschland war von Wangenheim ab September 1945 für wenige Monate Intendant des von ihm wiedereröffneten Deutschen Theaters Berlin. Seine ersten Inszenierungen wie Nathan der Weise, Hamlet und Gerichtstag wurden in der Berliner Öffentlichkeit gefeiert. Von Wangenheim habe die große Tradition Max Reinhardts wieder aufgenommen. Parallel kämpften die Mitglieder des Ensembles und der Intendant um die Freilassung von Gustaf Gründgens aus dem Internierungslager in Jamlitz.

Während von Wangenheims Auftritte in Filmen in den Nachkriegsjahren rar wurden, arbeitete er weiterhin als Regisseur und Drehbuchautor für die DEFA. Unter seiner Regie entstand der Film Und wieder 48, der sich mit der Märzrevolution von 1848 auseinandersetzt. Für sein künstlerisches Schaffen, besonders für sein Stück Du bist der Richtige, das er für die Eröffnung des neu gegründeten Theaters der Freundschaft schrieb, wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet.

Gustav von Wangenheim war mit der Schauspielkollegin und Schriftstellerin Inge von Wangenheim verheiratet und ist Vater des Schauspielers und Bühnenautors Friedel von Wangenheim und der Zwillinge Elisabeth und Eleonora von Wangenheim. Er starb 1975 und wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin beerdigt.



Greta Schröder

Greta Schröder (*1892) stammte aus einer gutbürgerlichen rheinischen Familie, welche ihrem Wunsch nachgab, Schauspielerin zu werden. In den 1910er Jahren kam sie nach Berlin an das Deutsche Theater. Bald darauf heiratete sie den Regisseur Ernst Matray. Kurz nach der Scheidung heiratete sie im Oktober 1924 den Schauspieler Paul Wegener.

Ihre erste Filmrolle hatte sie in dem Stummfilm Die Insel der Seligen (1913) unter der Regie des Theaterregisseurs Max Reinhardt. 1915 verfasste sie das Drehbuch zur deutschen Erstverfilmung von "Das Phantom der Oper", der unter der Regie ihres Ehemannes Ernst Matray in die Kinos kam. Ihre größte Rolle hatte sie in "Nosferatu".

Nach einer Rolle in "Die Gefangene des Maharadsch"a (1953) von Veit Harlan spielte sie eine letzte kleine Nebenrolle in "Pünktchen und Anton" (1953) nach dem Jugendbuch von Erich Kästner. Greta Schröder starb am 8. Juni 1980 in Berlin-Steglitz.



Friedrich Wilhelm Murnau

Friedrich Wilhelm Murnau, auch F. W. Murnau, (*28. Dezember 1888 als Friedrich Wilhelm Plumpe in Bielefeld; †11. März 1931 in Santa Barbara, Kalifornien) gilt als einer der bedeutendsten deutschen Filmregisseure der Stummfilmära. Sein vom Expressionismus beeinflusstes Schaffen, seine psychologische Bildführung und die damals revolutionäre Kamera- und Montagearbeit Murnaus eröffneten dem jungen Medium Film neue Möglichkeiten. Zu seinen berühmtesten Werken zählen "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens" (1922), "Der letzte Mann" (1924), "Faust – eine deutsche Volkssage" (1926) und "Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen" (1927).

Der Produzent William Fox holte den Deutschen 1926 in die Vereinigten Staaten. Hier durfte er frei und ohne Einmischungen an seinem ersten Film »Sunrise« arbeiten. Er bekam hervorragende Kritiken und gewann bei den ersten Oscarverleihungen 1929 gleich drei Trophäen. Ein großer Kassenschlager wurde der Film dennoch nicht.

Da »Sunrise« viel Geld gekostet hatte, aber nur wenig wieder einspielte, mischte sich Fox nunmehr in die Arbeit von Murnau ein. Der kündigte darauf seinen Vertrag bei Fox und machte sich mit einer Yacht auf in die Südsee, um dort frei von Zwängen einen Film zu drehen. Es sollte sein letzter sein. Am 11. März 1931 starb Murnau bei einem Autounfall in Santa Barbara, kurz vor der Premiere von »Tabu«.